Ein Abo für Werbefreiheit – wie Salon.com Reader Revenues ohne Paid Content erzielt

Ein Abo für Werbefreiheit? Was auf den ersten Blick abwegig erscheint, ist tatsächlich ein funktionierendes Einnahmemodell für Verlage. Unser US-Kunde Salon.com tritt gerade den Beweis dafür an. Der Nachrichtendienst bietet seinen Lesern seit November 2018 eine werbefreie User Experience mit LaterPay. Ganz freiwillig, ganz einfach, ganz nutzerzentriert. Leser können bei der Plattform entweder wie gewohnt Inhalte kostenfrei lesen und dafür Werbung ausgespielt bekommen. Oder sie können einen Zeitpass für Werbefreiheit kaufen und dann das Angebot eine Stunde, einen Tag, eine Woche, einen Monat oder ein ganzes Jahr lang komplett werbefrei nutzen.

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Das Interessante: Für die Werbefrei-Zeitpässe gibt es keinen zusätzlichen Content, der hinter einer Paywall liegt, wie es bei anderen Abomodellen üblich ist. Salon.com hat kein neues Paid-Content-Modell erschaffen. Es wird auch kein Leser gezwungen, Werbung anzuschauen oder zu bezahlen. Denn Salon.com sperrt Leser mit einem Adblocker nicht etwa aus. Dennoch entschieden sich bereits in den ersten Wochen einige hundert Leser bereitwillig für das Modell.

Und die meisten buchten nach kurzer Prüfung des Angebots gleich die teuerste Option eines Jahrespasses für 99 Dollar oder einen Monatspass für 9 Dollar, wie Jordan Hoffner, CEO von Salon.com, bestätigt: „Bereits im ersten Monat haben hunderte Leser unser werbefreies Angebot gebucht, und dabei haben wir nicht dafür geworben.“ Werbefreiheit als zusätzliche Wahlmöglichkeit kommt bei den Lesern offensichtlich gut an und ist ihnen Geld wert. Alle Verlage sollten diese Option für sich prüfen. In den USA stehen schon einige Anbieter in den Startlöchern, die werbefreie Modelle bereitstellen. Ein Beispiel ist Scroll, ein Service, der Inhalte bekannter Medien gegen Gebühr ohne Werbung zur Verfügung stellt. 

Warum zahlen User für Werbefreiheit?

In den nächsten Monaten werden wir gemeinsam mit Salon.com sehr genau auf die Entwicklung der Werbefrei-Zeitpässe schauen und versuchen, viele Fragen zu beantworten:

  1. Warum kaufen Leser ein werbefreies Paket? Wollen sie das Medium ihrer Wahl erhalten? Fühlen sie sich ethisch verpflichtet? Oder ist ihnen nicht klar, dass sie Ads einfach blocken können?
  2. Warum kaufen sie das Jahrespaket, statt erst einmal einen kürzeren Zeitraum zu wählen? Und was ist ihnen ein werbefreies Jahr wirklich wert?
  3. Wie reagiert das Anzeigengeschäft darauf? Auf den ersten Blick dürfte es die Performance von Kampagnen verbessern, wenn man harte Werbeverweigerer gar nicht erst mit Anzeigen anspricht. Kampagnen könnten also effizienter und für weitere Werber attraktiver werden.
  4. Spielt es eine Rolle, wie störend die Werbung auf einer Seite ist? Einige Browser und auch der Google Algorithmus strafen störende Werbung ohnehin ab und Seiten sind entsprechend motiviert, die User Experience bestmöglich zu gestalten. Aber ist die „Nervigkeit“ von Werbung relevant für den Kauf von Werbefrei-Pässen?

Ich freue mich sehr darauf, diese Fragen auf Basis echter Verkaufsdaten in einigen Monaten genauer beantworten zu können. Wer mag, kann sich unserem Versuch auch im deutschen Raum anschließen - unser Account-Team hilft gern dabei. Es ist Zeit für neue, nutzerzentrierte Monetarisierungsansätze.