Corona-Krise pusht freiwillige Bezahlmodelle

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Über Einzelfälle von Medien, die im Lesermarkt teils erhebliche Erlöse damit erwirtschaften, dass sie um Abonnements/Mitgliedschaften/Einmalzahlungen bitten, ohne dafür Nicht-Zahlern den Zugang zu Inhalten zu verweigern, berichtet pv digest regelmäßig.

 In der November-Ausgabe 2017 haben wir erstmals eine Zusammenschau zahlreicher Beispielfälle für erfolgreiche freiwillige Bezahlmodelle angeboten und resümiert: "Es wird Zeit, dem Konzept des freiwilligen Bezahlens für journalistische Angebote mehr Aufmerksamkeit zu widmen" [Abonnenten, die keinen Zugriff auf diese Ausgabe mehr haben, senden wir den Beitrag gerne zu. Bitte melden Sie sich ggf. per Mail an abo@pv-digest.de]. Nun scheint es tatsächlich so weit zu sein. Zahlreiche Medien weltweit, überwiegend getrieben durch die Corona-Krise, wagen die Implementierung von nicht-obligatorischen Bezahlappellen:

Das bekannteste freiwillige Bezahlmodell im Pressebereich weltweit ist das des Guardian. Der hat auch einen US-Ableger, der lediglich als Website existiert. Die war eigentlich als werbefinanziertes Medium konzipiert. Aber schon seit längerem ruft auch der USGuardian zu freiwilligen Zahlungen auf. Die dafür zuständige CEO Evelyn Webster verriet kürzlich in einem Digiday-Podcast einige Details über diesen Teil ihres Geschäfts. Schon für die nahe Zukunft erwartet sie, dass freiwillige Leserzahlungen und das Werbegeschäft zu gleichen Anteilen zu ihren Umsätzen beitragen. Im Unterschied zur Mutterunternehmung in Großbritannien spielen in den USA freiwillige Einmalzahlungen eine viel größere Rolle als freiwillige 'Abonnements'. Ungefähr die Hälfte der freiwilligen Bezahler in den USA spende Einmalbeträge, typischerweise 25$ oder 30$. Webster ist sich sicher: durch die freiwilligen Leserzahlungen wird der Guardian in den USA "selbst im schlimmsten Szenario" profitabel sein.

Das Liverpool Echo, eine der größeren Lokalzeitungen in Großbritannien, ruft seit Ende April zu freiwilligen Bezahlungen auf. Der Mutterkonzern Reach sagt, noch [!] habe er keine Pläne, diese Maßnahme auf alle seine Zeitungswebsites auszurollen. Ein anderer großer Regionalzeitungskonzern (Archant) ist da schon deutlich weiter. Dazu berichten wir unten in einem eigenen Artikel.

Robyn Tomlin, Leiterin mehrerer Redaktionen beim US-Zeitungsriesen Gannett, berichtet über einen Hilferuf an die Leser der Zeitung The News&Observer. Gerne habe sie das nicht getan. Aber der nur langsame Anstieg der Abos habe das nötig gemacht. "Was dann passierte, hat mich überrascht", berichtet sie in eigener Sache. "Wir sahen einen sofortigen Anstieg (im Wochenvergleich rund 75%) freiwilliger Abos (…) Wir bekamen auch eine Menge Einmalspenden von unseren Lesern. Bisher 35.000$ von mehr als 350 Leuten und das geht noch weiter". Allerdings berichtet sie auch, dass ein analoger Aufruf bei anderen Gannett-Zeitungen, für die sie auch verantwortlich ist, nicht so gut funktioniert habe.

Vox Media, einst eines der meistgehypten Digital only-Startups, hat erst vor rund 15 Monaten eine Paywall eingerichtet. Nun stellt es, wie viele US-Medien, alle Corona-Berichte vor die Paywall. Aber es ruft dazu auf, freiwillige Abos abzuschließen oder auch Einmalbeträge zu spenden, um diesen Gratisservice möglich zu machen. The Daily Beast, inszeniert häufig drei alternative Aboangebote nebeneinander. Dabei hat die Politik- &Kulturwebsite nun das vorher teuerste Angebot (2-Jahres-Mitgliedschaft) durch eine Jahres-Mitgliedschaft für 100$ ersetzt, die eine "Spende mehr"-Option beinhaltet, berichtet Digiday. Dadurch sei der durchschnittliche Bestellwert um 35% gestiegen.

Infolibre, die (sehr viel kleinere) spanische Partnerunternehmung des großen französischen Paid Content-Erfolgs Mediapart, hat ihre bestehenden Abonnenten aufgefordert, Abonnements für Leser mit kleinem Budget zu spenden. Die Zahl der Neuabschlüsse hat sich in den letzten Wochen dadurch verdoppelt und die lange schon angestrebte Marke von 10.000 bezahlenden Leser wurde überschritten.

Spotify hat eine Spendenfunktion eingerichtet, die es Fans ermöglicht, über die Spotify App unkompliziert ihren Lieblingskünstlern Geld zukommen zu lassen.

(Originalbeitrag veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Markus Schöberl, pv-digest.de)


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