LaterPay und SEO – was sagt Google?

Dies ist ein Gastbeitrag des unabhängigen SEO-Beraters Christoph Burseg.

Google ist in Deutschland der Trafficlieferant Nr. 1 für Websites nahezu jeder Art. Besonders Medien-Sites und Blogs sind davon abhängig, dass ihre Inhalte gut in der Suchmaschine gelistet und als lesenswert bewertet werden. Wie geht aber Google mit Paid-Inhalten und dem LaterPay-System um? Was heißt der Einbau von LaterPay für die mittlerweile akzeptierten SEO-Regeln?

Auf Basis meiner Erfahrungen aus knapp sieben Jahren als SEO für zahlreiche Kunden und Projekte, unter anderem für fast jede der zehn größten deutschen Nachrichten-Websites, möchte ich Euch hier einen Überblick geben, wie Ihr mit LaterPay zusätzlichen Umsatz über den Verkauf von Inhalten ohne schmerzlichen Trafficverlust erreichen könnt.

Was sagt Google zu Bezahlschranken?
Google möchte nur Inhalte ranken, die jeder aufrufen kann. Das ist natürlich ein Widerspruch zum Gedanken des Paid-Contents. Denn hier soll nur derjenige lesen, der gezahlt hat oder eingewilligt hat, später zu zahlen.

Bei klassischen Bezahlschranken kann Google nur Content indexieren und ranken, sofern dieser vor dem Login liegt. Der Google-Crawler hat schließlich keine Kreditkarte und arbeitet sich nicht durch mehrseitige Abo-Bestellformulare. Solche Systeme verschrecken nicht nur Google, sondern auch die Besucher der Website.

Eines hat sich in den letzten Jahren Paid-Content gezeigt: Die Nutzer kaufen nicht die Katze im Sack. Egal ob Produkttests der Stiftung Warentest oder PLUS-Inhalte von Bild.de: Nutzer oder Google bekommen vorab gekürzte Inhalte angezeigt oder können zusätzliche Inhalte kaufen. Die vollen Inhalte sind erst nach Bezahlung sichtbar. Letztlich bringt also jeder Inhalt seine eigene, inhaltlich aussagekräftige und werblich wirkungsvolle Zusammenfassung mit oder es wird durch den Kontext der freien Elemente eines Artikels deutlich, welcher Mehrwert vom bezahlten Inhalt zu erwarten ist. Interessanterweise ranken diese Appetithäppchen sogar. Stiftung Warentest beispielsweise gehört trotz des riesigen Paid-Content Bereichs zu den 50 Domains in Deutschland, die am häufigsten in den Google-Suchergebnissen auftauchen (Quelle: Sistrix Toolbox). Google akzeptiert, dass Test.de ein paar interessante Brotkrumen auslegt, die wirklichen Testergebnisse und Empfehlungen aber erst nach dem Kauf des Inhalts zu sehen sind.

LaterPay entspricht den Google-Kriterien für Websitebetreiber
Google hat keine unumstößliche Regel die besagt: “All Content must be for free!”. Die Suchmaschine hat andere Regeln. Eine davon lautet in etwa: “Jeder Nutzer, der über ein Suchergebnis zur Website gelangt, muss den selben Inhalt zu sehen bekommen, der Google ausgespielt wurde!” (Quelle).

Diese Regel eröffnet Euch interessante Möglichkeiten, wenn Ihr auf Euren Websites toll monetarisierende Inhalte anbieten möchtet.
Das LaterPay-Prinzip erlaubt, dass beliebig viele Inhalte kostenlos für den Besucher und den Google-Bot als Teaser-Text zu sehen sind. Dadurch bleibt der Content für Google indexierbar und kann zu den Themen gefunden werden, welche in der Überschrift und dem Appetitmacher-Text eingebaut werden. Das HTML kann nach allen Regeln der SEO-Kunst optimiert werden und auch anspruchsvollere Details wie semantische Daten beinhalten. Damit können Inhalte in den Suchergebnissen von Google sogar mit Thumbnails, Sternchen-Bewertungen oder Breadcrumb-Links ausgestattet werden.

LaterPay kann auch mit bestehenden Möglichkeiten, welche Google für Paid-Content seit einiger Zeit anbietet, kombiniert werden. DasFirst-Click-Free-Model von Google erlaubt einer Website, dass Inhalte hinter einer Paywall liegen, solange diese Paywall Google-Besucher aus Suchergebnissen mindestens fünf Mal pro Tag kostenfrei hindurchlässt.
Paywalls nach diesem Vorbild setzen mehrere deutsche Nachrichten-Websites ein. Der Vorteil: SEO-Traffic kann weiterhin fließen und Besucher aus anderen Quellen werden in die Monetarisierung geschickt. Der Nachteil dieses Systems: Es ist leicht auszutricksen. Möchte man einen Artikel lesen, dann tippt man einfach den Artikel-Titel in die Google-Suche ein und klickt sich dann kostenfrei zum Inhalt weiter. Ist die Tagesgrenze erreicht, werden die Cookies gelöscht und der Spaß beginnt von vorn.
Mit LaterPay werden Bezahl-Inhalte wirksam gegen solche Tricks geschützt. LaterPay bietet eine Integration an, bei der ein Besucher auch über Google nur jene Bestandteile des Inhalts finden und besuchen kann, welche der Websitebetreiber kostenlos freigegeben hat.

Verliert man durch LaterPay SEO-Reichweite?
Freie Inhalte bleiben mit der LaterPay-Integration weiterhin für Google erreichbar. Der Crawler findet alle wichtigen Informationen und kann die Inhalte in die Suchergebnisse aufnehmen. Wenn dann noch ein knackiger Teaser-Text mit relevanten Keywords frei verfügbar ist, können auch Paid-Inhalte in Google sehr gut funktionieren.

Google rankt gern ausführliche Inhalte. Werden auf einmal alle Inhalte durch eine Paywall stark gekürzt, wird auch Google dies merken und sich das ein oder andere Ranking überdenken. Diesem Effekt kann man entgegenwirken, wenn in Zukunft noch stärker auf eine optimierte und schlagwortreiche Überschrift und einen beschreibenden kostenfreien Teaser-Text geachtet wird. Bisher jedoch scheint keine Website stark an SEO-Reichweite verloren zu haben, nachdem sie auf ein Free-Teaser-/Paid-Full-System wie beim LaterPay-Prinzip umgestiegen ist. Teilweise sind Sites sogar weiter in der Google-Sichtbarkeit gewachsen. Starke SEO-Rückgänge passieren nur dort, wo Inhalte komplett für Google oder Nutzer unsichtbar gemacht werden.

SEO-Reichweite ist nur wertvoll, wenn sie Geld verdient
Jeder SEO weiß, dass Google-Reichweite witzlos ist, wenn sie nicht den Unternehmenszielen dient. Und da dieses Ziel meist das Verdienen von Geld ist, muss sich auch SEO-Reichweite in Euro und Cent messen lassen. Mit LaterPay können Google-Besucher auf der eigenen Website wirksam und ohne Hintertürchen monetarisiert werden. Selbst wenn eine Paywall ein paar Prozent SEO-Reichweite kosten sollte: Lieber Geld verdienen mit 80 Besuchern, als kein Geld verdienen mit 100 Besuchern.

Welche SEO-Regeln sollten beim Einsatz von LaterPay beachtet werden?
Die Bezahllogik von LaterPay und SEO beinhaltet keinen Widerspruch. Ihr könnt Google weiterhin die Möglichkeit geben, Eure Themen prominent zu ranken. Anhand dieser Liste lässt sich gut erkennen, welche Hebel beachtet werden sollen:

  1. Die Überschrift des Inhalts hat erhebliche Auswirkung auf das Ranking. Selten rankt ein Inhalt wirklich gut zu einem Schlagwort, welches nicht in der Überschrift verwendet wurde. Im Umkehrschluss: Je mehr Nachfrage zu den einzelnen Schlagwörtern der Überschrift vorliegt, desto mehr potenzielle Reichweite kann über Google adressiert werden.
  2. Die Länge und die Schlagworte im kostenlosen Teaser-Text sind entscheidend. Google wird den Artikel anhand dessen beurteilen, was Google beim Crawling der Seite lesen kann. Google kann nicht wissen, welche wertvollen Informationen den Käufer des Inhalts erwarten. Darum sollte der Teaser-Text nicht die Länge einer Twitter-Nachricht haben, sondern darf gern in mehreren Sätzen oder sogar Absätzen in das Thema einführen, zentrale Thesen und Beispiele vorstellen und natürlich auch die wichtigsten Schlagworte beinhalten.
  3. Das SEO 1×1: Title-Tag und Meta-Angaben. Wenn die besten Bestandteile des Inhalts hinter einem Bezahlschritt liegen, dann sollten alle freien Artikelteile so gut wie möglich optimiert sein. Das Title-Tag sollte gleich der Artikelüberschrift sein und die Meta-Daten sollten individuell zum Artikel passen oder aus dem Teaser-Text generiert werden.
  4. Viele halbe Inhalte ergeben einen ganzen. Bestenfalls bietet die Website eine (automatisierte) Übersicht der Themen an. In Systemen wie WordPress sind diese Seiten als “Tag-Seiten” bekannt. Diese Tag-Seiten ergeben – zusammen mit einer sehr guten Verschlagwortung der Artikel – einen tollen Themen-Einstiegspunkt und listen alle thematisch passenden Artikel zu einem Oberbegriff in chronologischer Reihenfolge auf. Auf diesen Themen-/Tag-/Schlagwort-Seiten wird das Schlagwort zur Überschrift und die einzelnen Artikelüberschriften zu Überschriften zweiter oder dritter Ordnung. Die Teaser-Texte sorgen dafür, dass diese Seite zu einem sinnvollen Einstiegspunkt zum jeweiligen Thema wird. Google liebt solche Tag-Seiten.
  5. Keine unterschiedliche Behandlung von Google und Besuchern. Wichtig für die langfristige SEO-Strategie ist eine Gleichbehandlung zwischen Nutzern und dem Google-Crawler. Wir dürfen kein System bauen, welches dem Google-Crawler den gesamten Artikel-Inhalt präsentiert, aber jedem Besucher nur die Paywall anzeigt. Google merkt dies (irgendwann) und reagiert sehr verschnupft.
  6. Eine gute “Durchblutung” sorgt für Beweglichkeit. Diese etwas esoterische Empfehlung soll daran erinnern, wie wichtig die interne Verlinkung für den SEO-Erfolg ist. Es kann fast nie genügend “Weitere Artikel”, “Neue Artikel”, “Ähnliche Artikel”, “Artikel zu Thema X”-Module geben. Das Stärken älterer und ähnlicher Artikel wird für weitere Reichweite sorgen und noch mehr bezahlte Abrufe generieren.

Fazit: LaterPay und SEO funktionieren!
Bei einem Umstieg auf ein Paid-Modell kann viel falsch gemacht werden. Aus Nutzer- und SEO-Sicht ist das LaterPay-Prinzip der beste Weg und bereits erfolgreich im Einsatz. Einem eventuellen Rückgang der SEO-Rankings kann aktiv entgegengewirkt werden und mit den richtigen Seitenprojekten kann die Google-Reichweite sogar noch weiter gesteigert werden. Im Gegensatz zu anderen Lösungen kannLaterPay nicht ohne Weiteres umgangen werden und hilft dem Seitenbetreiber gleich mehrfach: Beim Geld verdienen und beim Erkennen, welche Themen den Nutzern wirklich Geld wert scheinen.

Die Einfache Integration z. B. über das bestehende WordPress-Plugin machen das Experimentieren zum Kinderspiel. Unterm Strich ist dasLaterPay-Prinzip aus meiner Sicht als SEO die momentan beste Kombination aus Reichweitenmanagement und Paid-Monetarisierung.